eine Leidenschaft
...die Leiden schafft

Es kann nur Einen geben - Highlander

Leider war das Teilnehmerfeld an diesem Tag zu stark für mich. Gerade beim Highlander Radmarathon hatte ich mit etwas weniger Konkurrenz und einem Podiumsplatz gerechnet. Doch als der Moderator kurz vor dem Start anfing die Favoriten aufzuzählen, musste ich meine Ansprüche zwangsläufig etwas zurückstufen. Es waren Namen zu hören, wie Philip Götsch, Gerrit Glomser, Daniel Unger, Bernd Hornetz und noch viele mehr. Außerdem gab es noch die bis in die Haarspitzen motivierten Lokalmatadoren Gerd Hagspiel, Tobias Jenny und Christian Schmitt. Wie sich im Nachhinein herausstellte, waren noch weitere Topathleten aus der Schweiz, aus Liechtenstein und aus Südtirol am Start.

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Archivfoto

Bereits am frühen Morgen war einiges los in Hohenems und schon vor dem Start traf ich viele Bekannte, wie Rainer Maaßen, Ben Doser, Roland Ballerstedt und Basti Düweling. Pünktlich um 7:00 erfolgte dann der Startschuss und die Radlermeute bewegte sich in Richtung Bödele. Bereits an diesem ersten Anstieg wurde (leider) recht schnell gefahren. Im unteren Teil ging es mir noch gut, als es jedoch oben etwas steiler wurde, musste ich abreißen lassen. Ich hatte jedoch noch Blickkontakt und so wollte ich mich auf meine Abfahrerqualitäten verlassen ;-) In der Abfahrt ließ ich es dann auch ordentlich laufen und konnte so kurz nach der Abfahrt wieder auf die Spitzengruppe aufschließen. Durch den Bregenzerwald hatte niemand so richtig Interesse Tempo zu machen und so kam ich zu meinem eigentlichen Highlight des Tages. Ich hatte die Ehre während dieser entspannten Phase des Rennens, Daniel Unger kennen zu lernen. Er hat mich nach dem weiteren Rennverlauf gefragt und so kamen wir ins Gespräch. Natürlich habe ich mich bei ihm für das beste sportliche TV-Drama aller Zeiten bedankt – sein sensationeller Triathlon-WM-Sieg in Hamburg. Daniel ist jedenfalls auch ohne Kameras so sympathisch und locker wie man ihn sich vorstellt. Am liebsten würde ich über dieses Gespräch einen Bericht schreiben, aber ich muss meinen treuen Lesern noch erklären, warum ich nur die kurze Strecke gefahren bin :-(

Nachdem die Steigung am Hochtannbergpass zunahm, wurde erwartungsgemäß wieder sehr schnell gefahren. Ich ließ die schnellen Jungs gleich fahren und suchte mein eigenes Tempo. Wie bereits die ganze Saison über, ist mein Tempo im unteren Teil eines Berges nicht konkurrenzfähig. Wenn jedoch meine Muskulatur auf Betriebstemperatur ist, kann ich deutlich zulegen. Bis dahin ist jedoch meistens der Zug (wortwörtlich) abgefahren :-( Auf dem Flexenpass habe ich meine Wasserflasche gefüllt und prompt den Anschluss zu Harry Nußbaumer und einem weiteren Fahrer verloren. Als ich die Labe verließ kam zum Glück von hinten die nächste Gruppe an und mit dieser hab ich mich dann in die Abfahrt gestürzt. Noch während der Abfahrt forcierte ich das Tempo und übernahm die Führungsarbeit. Plötzlich bekam ich ein Deja-vu-Erlebnis! Dieselbe Rennsituation auf exakt dieser Strecke gab es nämlich schon während der Schwalbe Tour Transalp. Und wie damals gelang es mir zum Glück auch an diesem Tag wieder, zur nächsten Gruppe aufzuschließen. Leider war es nicht wie bei der Tour Transalp die Spitzengruppe, sondern nur eine Verfolgergruppe. Vor uns mussten immer noch ungefähr 15 Fahrer unterwegs sein und die Spitze hatte wohl zu diesem Zeitpunkt einen Vorsprung von ca. 10 Minuten. Unsere Gruppe bestand ebenfalls aus etwa 15 Fahrern und so machten wir uns gemeinsam auf den Weg nach Ludesch.

Da es die nächsten Wochen mit der Alpen-Challenge und dem Ötzi noch genügend Höhenmeter zu bewältigen gibt, wollte ich in dieser (hoffnungslosen) Rennsituation auf das Faschina- und Furkajoch verzichten. Einen ähnlichen Gedanken hatten wohl noch mehrere in meiner Gruppe, da nach der Streckenteilung auf der kurzen Strecke immer noch 11 Fahrer übrig blieben. Leider fuhr unsere Gruppe nicht mehr sehr harmonisch und es gab immer wieder halbherzige Attacken. Irgendwie wollten sich auch nicht wirklich viele Fahrer an der Führungsarbeit beteiligen. Als sich dann irgendwann Christian Schmitt nach dem dritten oder vierten Versuch ein paar Meter absetzen konnte, musste ich leider feststellen, dass außer mir keiner ernsthaft diese Lücke wieder schließen wollte. Da ich die meiste Zeit eh vorne im Wind gefahren bin, habe ich das Tempo nochmals erhöht und die Gruppe konnte oder wollte auch mir nicht folgen. So durfte ich die letzen ca. 10 Kilometer als Solofahrer, als Verfolger und als Verfolgter absolvieren. Was ich mir bei dieser Aktion gedacht habe, ist mir selbst einen Tag später noch schleierhaft. Schließlich ging es ja offensichtlich um keine Top-Platzierung mehr, aber irgendwas in mir wollte diesen Platz nicht kampflos herschenken. So habe ich mit allen noch zur Verfügung stehenden Kräften die Verfolgung aufgenommen. Ich konnte den Abstand bis zum Ziel noch etwas verringern, am Ende hat es jedoch nicht ganz gereicht. So kam ich hinter Christian Schmitt auf Platz 8 ins Ziel und war froh, dass die Strapazen ein Ende hatten.

Ben Doser war ebenfalls in meiner Gruppe und wurde am Ende 17ter. Roland Ballerstedt fuhr auf der langen Strecke ein sehr starkes Rennen und wurde 5ter. Dass der haushohe Favorit Philip Götsch nur zweiter wurde, verdeutlicht nochmals die Qualität dieses Teilnehmerfeldes.

Leistungsdaten & Streckenprofil
Ergebnisliste (Platz 8 | 04:16:33 h)