eine Leidenschaft
...die Leiden schafft

3. Trainingslager in Canazei

In diesem Trainingslager wollte ich wortwörtlich hoch hinaus. Da ich bis April ausschließlich auf flachem Terrain trainiert habe und auch die beiden vorherigen Trainingslager eher auf viele Kilometer anstatt auf viele Höhenmeter abzielten, war es nun an der Zeit dies zu ändern. Für solch ein Vorhaben gibt es wohl keine bessere Alpenregion, als die Dolomiten. Fast ohne flache Streckenabschnitte, ist der Talort einer Passabfahrt meist auch der Ausgangspunkt für die nächste Passauffahrt. Für den Ort Canazei als Trainingsbasis sprach die direkte Anbindung an 3 Pässe. Das Sellajoch, das Pordoijoch und der Fedaiapass beginnen bzw. enden in Canazei.

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So kann man sich freuen, wenn man einen Pass erklommen hat - also ab in die Berge ;-)


Schwierige Planung und Vorbereitung

Canazei ist der nördlichste Ort des Fassatals (Val di Fassa). Ende April bzw. Anfang Mai haben hier leider die meisten Hotels und Gaststätten für mehrere Wochen geschlossen, da in dieser Zeit die Wintersaison bereits zu Ende ist und die Sommersaison noch nicht begonnen hat. Aus diesem Grund war es nicht einfach ein Hotel zu bekommen. Im gesamten Fassatal gab es kein Hotel mit Halbpension, so war ich schon froh als ich die Zusage vom Hotel Fedaia für 6 Übernachtungen mit Frühstück bekam. Das Hotel liegt ungefähr 2 Kilometer außerhalb von Canazei in Richtung Fedaiapass. Der kleine Ort nennt sich Alba und liegt etwas Höher als Canazei. Somit mussten wir nach jeder Tour noch den von uns so getauften und gefürchteten "Albapass" mit satten 45 Höhenmetern hochfahren :-)


Ein Kommen und Gehen

Unsere Trainingsgruppe bestand aus maximal 4 Personen. Winne und ich sind bereits am Freitag angereist. Martina und Tobi sind erst am Samstag zu uns gestoßen. Meine Trainingspartner sind jedoch alle am Dienstag wieder nach Hause gefahren, so dass ich von da an, alleine war. Und wenn ich alleine schreibe, meine ich alleine. Ich war tatsächlich ab Mittwoch der einzige Gast in diesem großen Hotel. Lobenswert: Am Service, wie zum Beispiel dem Frühstücksbüfett wurde nicht gespart und ich wurde von der Hotelwirtin Rosalba Dantone umsorgt wie ein König.


Die komplette Wetterbandbreite

Nach dem Mallorca-Trainingslager konnte es ja fast nicht mehr schlimmer werden. Natürlich muss einem folgendes klar sein: Das Wetter in den Alpen und speziell im Hochgebirge kann einen im Frühjahr sowohl positiv als auch negativ überraschen. Was mir nur nicht ganz klar war, wie schnell sich das Wetter verändern kann. Auf dem San-Pellegrino-Pass war es zum Beispiel sonnig und heiß. Bei der anschließenden Abfahrt war es bereits stark bewölkt und regnerisch. Eine halbe Stunde später fing es auf dem Rollepass an zu blitzen, donnern und hageln. In dieser kurzen Zeit sind die Temperaturen um über 15 Grad gesunken. Zusammengefasst habe ich in diesen 6 Tagen die komplette Wetterbandbreite abbekommen: Sonne, Nebel, Regen, Gewitter, Hagel und am letzten Tag sogar noch ein paar Schneeflocken. Die Temperaturen reichten von über 40 Grad auf dem Giaupass (direkt an der Sonne) bis hin zu 2 Grad am Mittwochabend um 19:30 Uhr auf dem Pordoijoch.


Trainingsdaten

Diesmal konnte ich meine Vorgaben komplett realisieren und in 6 Trainingstagen 923 Kilometer und noch viel wichtiger, 25.360 Höhenmeter einfahren. Das ergibt einen Tagesdurchschnitt von 154 Kilometer und 4.227 Höhenmeter. Außerdem habe ich in dieser Zeit 5 Pizzen, 1 Lasagne, 2 Tiramisus und unzählige Cafe Americano's konsumiert :-)


Tourenübersicht

01 Tag: Anreise, Sella-Ronda (65 KM| 2.023 HM)
02 Tag: Valparolapass, Giaupass, Fedaiapass (141 KM | 4.138 HM)
03 Tag: Falzaregopass, Tre-Croci-Pass, Drei-Zinnen (187 KM | 5.029 HM)
04 Tag: San-Pellegrino-Pass, Vallespass, Rollepass (107 KM | 2.304 HM)
05 Tag: Furkelsattel, Würzjoch, Fedaiapass (200 KM | 5.066 HM)
06 Tag: Seiser-Alm (156 KM | 4.729 HM)
07 Tag: Sella-Ronda, Abreise (67 KM | 2.071 HM)


Tag 01: Freitag, 27.04.2007
Anreise, Sella-Ronda

Tour: Canazei - Pordoijoch - Campolongopass - Grödner Joch - Sellajoch - Canazei

Ich hatte am Freitag Urlaub und bin um ca. 11:00 Uhr in Seibranz in Richtung Dolomiten aufgebrochen. Winne konnte erst nach dem Arbeiten wegfahren und sollte dann am Abend nachkommen. Meine gewählte Route führte mich über den Fernpass und die Brennerautobahn ins Grödner Tal (Val di Gardena). Danach ging es über das Sellajoch nach Alba di Canazei. So hatte ich bereits den ersten Pass bezwungen, bevor ich auch nur einmal auf meinem Fahrrad saß. Nach dem Einchecken im Hotel Fedaia und der Erkenntnis, dass mein Englisch wohl etwas eingerostet ist, wollte ich noch die bekannte Sella-Ronda fahren.

Um ca. 16:30 Uhr war es dann soweit, ich saß endlich auf meinem Fahrrad und fuhr von Canazei aus in Richtung Pordoijoch. Das Wetter war zu diesem Zeitpunkt etwas kritisch, da ein dunkles Wolkenband über die Selle-Gruppe zog. Noch während der Abfahrt vom Pordoijoch nach Arabba kam jedoch die Sonne zum Vorschein, was auch gleichzeitig einen kleinen Temperaturanstieg mit sich brachte. Von Arabba aus ging es dann über den Campolongopass nach Corvara. Als nächstes stand das Grödner Joch an, was ich auch ohne Umwege in Angriff nahm. Ein gewisser Zeitdruck ließ jedoch kein längeres Verweilen zu, da Tageslicht leider nicht unbegrenzt zur Verfügung steht. Mit dem letzten Pass der Sella-Ronda, dem Sellajoch, schloss sich der Kreis und ich gelangte wieder nach Canazei.

Winne war mittlerweile auch eingetroffen und so konnten wir abends gemeinsam zum Essen gehen. Nach einer Pizza in einem gemütlichen Bierkeller ging der erste Tag zu Ende.

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Noch Fragen, warum ich dieses Jahr wieder in die Dolomiten zum Trainieren gefahren bin?

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Fausto Coppi Gedenkstein auf dem Pordoijoch


Tag 02: Samstag, 28.04.2007
Valparolapass, Giaupass, Fedaiapass

Tour: Canazei - Sellajoch - Grödner Joch - Corvara - Stern - Valparolapass - Falzaregopass - Cortina d' Ampezo - Giaupass - Selva di Cadore - Caprile - Fedaiapass - Canazei

Martina und Tobi kamen erst am Nachmittag in Canazei an, so dass wir die Samstagstour noch zu zweit in Angriff nahmen. Auf dem Programm stand die Königsetappe aus dem letzten Jahr, nur in umgekehrter Reihenfolge.

Pünktlich um 9:30 Uhr fuhren wir dem Sellajoch entgegen. Nach einer kurzen Abfahrt und einem erneuten Anstieg konnten wir auch das Grödner Joch als abgehackt verbuchen. In Corvara angekommen fuhren wir direkt weiter in Richtung Stern (La Villa). Dort angekommen folgte die Auffahrt zum Valparolapass, welche sehr beeindruckend und wunderschön war (siehe Bilder).

Nach einem kurzen Fotoshooting fuhren wir ca. 1 Kilometer runter zur Falzaregopasshöhe. Die anschließende Falzaregoabfahrt führte über Cortina d' Ampezzo weiter zum nächsten Kletterspaß, dem Giaupass.

Hier galt es 1.000 teilweise sehr steile Höhenmeter zu überwinden. Als dies jedoch geschafft war, wurden wir auf der Passhöhe mit einem Sonnenbad und einem Kaffee belohnt. Den Tacho legten wir direkt an die Sonne, was auch schon bald Wirkung zeigen sollte. Nach ein paar Minuten zeigte der Tacho den unglaublichen Wert von 46 Grad an und das auf über 2.200 Metern Höhe. Mit etwas mehr Zeit, hätten wir uns sicherlich einen Sonnenbrand eingefangen, wir mussten jedoch zügig weiter.

Zwischen uns und unserem Hotel ragte nämlich noch der Fedaiapass in die Höhe, mit ebenfalls einer Differenz von 1.000 Höhenmetern. Dieser Pass war mir noch aus dem Vorjahr als flach und sehr angenehm in Erinnerung, allerdings bin ich ihn damals von der anderen Seite gefahren. Meine Meinung über den Fedaiapass sollte sich jedoch schon bald grundlegend ändern. Die ersten 500 Höhenmeter waren noch unspektakulär, aber dann ging es ohne Kehren konstant sehr steil in Richtung Passhöhe. Erst kurz vor dem Ziel konnten wir von der Ferne ein paar Kehren erkennen. Mit dem Wunschgedanken "Vielleicht wird es da etwas flacher" fuhren wir den Kehren entgegen. Weit gefehlt - ab hier wurde es noch steiler, was auch ein Schild mit einer Steigung von 15% dokumentierte.

Als wir jedoch die letzten Kehren und Höhenmeter hinter uns gebracht hatten, war das Tagwerk vollbracht. Wir mussten nur noch ins Tal nach Canazei rollen :-)

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Valparolapass

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Kurz vor der Passhöhe

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Bekanntes Zeitzeugnis

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Blick auf den Falzaregopass

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Traumhafte Lage: Cortina d' Ampezzo

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Giaupass

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Fedaiapass


Tag 03: Sonntag, 29.04.2007
Falzaregopass, Tre-Croci-Pass, Drei-Zinnen-Bergstraße

Tour: Canazei - Pordoijoch - Arabba - Andraz - Falzaregopass - Cortina d' Ampezo - Tre-Croci-Pass - Misurina - Drei-Zinnen-Bergstraße - Misurina - Schluderbach - Ospitale - Cortina d' Ampezo - Falzaregopass - Andraz - Arabba - Pordoijoch - Canazei

Am Sonntag stand nun unsere erste gemeinsame Radtour an. Zu Viert ging es erst über das Pordoijoch nach Arabba und anschließend in Richtung Falzaregopass. Unzählige Fotos und Schweißtropfen später kamen wir gut gelaunt auf der Passhöhe an.

Hier trennte ich mich von der Gruppe, um eine etwas längere Tour zu fahren. Die Anderen fuhren über den Valparolapass runter und anschließend über das Grödner Joch und Sellajoch nach Canazei zurück.

Ich fuhr vom Falzaregopass nach Cortina d' Ampezzo. Von dort aus nahm ich mir den Tre-Croci-Pass vor. Als dieser bezwungen war, fuhr ich über Misurina in Richtung Drei-Zinnen. Am Fuße der Drei-Zinnen angekommen, machte ich mich blauäugig an die Auffahrt. Nachdem der Anfang bis zum See schon recht steil war, sollte es nach der Mautstelle noch schlimmer kommen. Ab da war das Befahren für Autos und Motorräder gesperrt, allerdings gab es dafür um so mehr Wanderer und Bergsteiger. Das beängstigende an der Sache war: Diese Fußgänger waren fast gleich schnell als ich. Die Straße war von der Mautstelle bis oben extrem Steil. Den Blicken der Fußgänger nach zu schließen, sah ich an diesem giftigen Anstieg nicht wirklich gut aus. Dieser Berg hat mir jedenfalls wieder einmal vor Augen geführt, wie klein und wirkungslos wir gegen solche Bauwerke der Natur sind.

Nachdem ich den mühsamen Aufstieg hinter mich gebracht hatte, wurde ich mit einem sensationellen Rund-Um-Blick entlohnt. Am Ende dieser Bergstraße befand ich mich auf über 2.300 Metern Höhe und somit dem höchsten Punkt des Trainingslagers. Da es hier nicht weiter ging, fuhr ich den Weg zur Hauptstraße zurück und setzte nun meine Umrundung der Cristallo-Gruppe wieder fort. In Cortina angekommen galt es den morgendlichen Anfahrtsweg wieder zurückzufahren, erst über den Falzaregopass und dann über das Pordoijoch. Diesmal kamen mir die Berge steiler und länger vor, an was das wohl gelegen haben mag?! Am Ende war ich jedoch zufrieden, da ich eine wunderschöne Tour erleben durfte und ich die 5.000-Höhenmeter-Marke geknackt hatte. Alles in Allem - ein sehr gelungener Tag.

Giro d' Italia 2007
Wer mir diese subjektiven Eindrücke bezüglich Schwierigkeit und Steigung der Drei-Zinnen-Bergstraße nicht abkauft, der kann sich selbst überzeugen. Am 27.05.2007 führt die Königsetappe des Giros die Radprofis erst über den San-Pellegrino- und dann über den Giaupass. Der Etappenschluss ist dann identisch mit meinem Streckenabschnitt ab Cortina d' Ampezzo. Nach dem Tre-Croci-Pass endet die Etappe als Bergankunft am Ende der Drei-Zinnen-Bergstraße.

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Meine Trainingsgruppe auf dem Pordoijoch: Martina, Tobi und Winne

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Am Anfang der Falzaregopassstraße

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Im oberen Passdrittel...

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...war die Straßenführung sehr beeindruckend...

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...wie dieser Tunnel in einer Kehre beweist

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Tre-Croci-Pass

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Spektakulär und steil: Drei-Zinnen-Straße



Tag 04: Montag, 30.04.2007
San-Pellegrino-Pass, Vallespass, Rollepass

Tour: Canazei - Campitello - Pozza - Moena - San-Pellegrino-Pass - Vallespass - Rollepass - Bellamonte - Predazzo - Moena - Pozza - Campitello - Canazei

Es hatte bereits die ganze Nacht geregnet und auch während des Frühstücks sah es nicht wirklich gut aus. Nach einer kurzen Krisensitzung, gab es folgenden Gruppenbeschluss: Die Abfahrtszeit wird etwas nach hinten verschoben. Um ca. 12:00 fuhren wir dann bei trockenem Wetter in Richtung Süden durch das Fassatal. In Moena machten wir uns, nach dem Ablegen der langen Kleidungsstücke, an den Aufstieg zum San-Pellegrino-Pass. Das Wetter zu diesem Zeitpunkt war sonnig und sehr angenehm.

Nachdem die Passhöhe erreicht war, trennte sich Martina von uns und wir fuhren zu Dritt in Richtung dunkle Wolken weiter. Was allen klar war - jedoch bewusst verdrängt wurde: Diese Tour wird nicht trocken zu Ende gehen. Noch in der San-Pellegrino-Abfahrt bogen wir direkt zum Vallespass ab. Die Straßen waren bereits Nass und hin und wieder bekamen wir auch ein paar Tropfen ab. Auf der Passhöhe hielten wir uns aufgrund des Wetters nicht lange auf und machten uns sofort an die Abfahrt. Diese Straße wiederum traf auf die Passstraße zum Rollepass. Winne und Tobi entschieden sich für die Abfahrt und die wetterfreundliche Himmelsrichtung, was sich nachträglich als richtige Entscheidung herausstellen sollte. Ich hingegen musste natürlich noch unbedingt den Rollepass hochfahren, auch wenn es in dieser Richtung sehr übel aussah.

Kurz vor der Passhöhe zog sich hinter mir das schlechte Wetter zusammen und ein Gewitter war im Anmarsch. Die Auffahrt konnte ich zwar gerade noch trocken abschließen, ich musste jedoch wieder zurück durch das schwarze Wolkenband fahren. Auf der Passhöhe war mir bei Donner und Blitzen klar, dass diese Tour kein gutes Ende finden wird. Ich habe noch schnell meinen Foto wasserdicht verpackt und mich anschließend in die Abfahrt gestürzt. Nach den erste paar Kehren fing es in Strömen an zu regnen. Doch es kam noch schlimmer: Auf einmal fing es sogar an zu Hageln und das war wirklich sehr schmerzhaft. Die Temperaturen fielen auch in den Keller, so dass ich am ganzen Körper zittern musste und nur noch sehr schlecht mein Fahrrad steuern konnte.

Spätestens in solchen Situationen denkt man, dass es nicht mehr schlimmer kommen könne, doch es gab noch eine Steigerung. Bei der rutschigen und nassen Abfahrt tauchte auf einmal von links ein Dachs auf. Ja, ein Dachs! Ich hatte sofort ein Déjà-vu-Erlebnis und dabei fast das Bremsen vergessen. Diesmal blieb der Dachs jedoch nicht mitten auf der Straße stehen, sondern lief von links nach rechts über die Straße und verschwand sofort in einem Bau. Das Ganze klingt zwar unglaubwürdig, aber so war es nun einmal. Nach diesem Schreck vergaß ich sogar für kurze Zeit, dass es bitter kalt war. Unten in Predazzo angekommen, gab es keine Aussicht auf eine Wetterbesserung, so dass ich die geplanten Pässe Lavazejoch und Reiterjoch ausließ und zurück nach Canazei fuhr. Das Highlight des Tages war zweifellos die warme bzw. heiße Dusche nach der Radtour.

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Auf dem San-Pellegrino-Pass

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Fotofinish bei der Bergankunft

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Kurze Pause und schon war ein Paparazzi da

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Vallespass: erst Sonne - danach Wolken



Tag 05: Dienstag, 01.05.2007
Furkelsattel, Würzjoch, Fedaiapass

Tour: Canazei - Sellajoch - Grödner Joch - Corvara - Stern - Badia Abtei - St. Martin - Zwischenwasser - Furkelsattel - Zwischenwasser - St. Martin - Würzjoch - St.Martin - Badia Abtei - Corvara - Campolongopass - Arabba - Andraz - Caprile - Fedaiapass - Canazei

Am Dienstag zerfiel leider unsere Trainingsgruppe. Winne reiste bereits nach dem Frühstück ab und die Ulmer (Martina und Tobi) machten noch eine Abschlusstour, bevor sie auch wieder nach hause fuhren. Da ich nun alleine war, konnte ich auch etwas riskieren und ausprobieren. Da ich die geplante Tour in Bezug auf Kilometer und Höhenmeter schlecht einschätzen konnte, wolle ich sie erst einmal alleine testen.

Bei sonnigem Wetter machte ich mich nach dem Überqueren des Sellajochs und des Grödner Jochs in Richtung Pustertal auf den Weg. Mein erstes Highlight des Tages sollte der Furkelsattel auch bekannt als Kronplatz sein. Dies war der erste Berg der sich grundlegend von allen vorherigen Bergen unterschied. Hier gab es keine typischen Steilwände und Felslandschaften, wie bei den anderen Dolomitenbergen. Hier schlängelte sich die Straße idyllisch zwischen grünen Wiesen und Kühen den Berg hoch. Die Auffahrt erinnerte eher ans Allgäu oder ans Appenzeller Land in der Schweiz, als an die Dolomiten. Auf der Passhöhe gab es eine Liftstation, ein paar Hotels und einen kleinen Stausee zu bewundern.

Nach der Abfahrt fuhr ich die Anfahrtsstrecke wieder bis St. Martin zurück. Von dort aus ging es direkt in den Anstieg zum Würzjoch. Das Wetter wurde zwar immer schlechter, aber die Auffahrt fand ich sehr gut. Leider wurde der Anstieg nach ca. 450 Höhenmetern erst einmal unterbrochen und es ging wieder ungefähr 150 Höhenmeter runter. Anschließend folgte jedoch sofort der 2. Teil des Anstiegs mit weiteren 600 Metern Höhendifferenz. Oben angekommen, wurde man durch ein Schild sofort an die Giro-Ankunft 2006 erinnert. Nach ein paar Fotos, bin ich über St. Martin wieder zurück nach Corvara gefahren.

Von dort aus fuhr ich über den Campolongopass nach Arabba. Jetzt stand eigentlich das Pordoijoch an, aber ich war gierig geworden und wollte mehr: Mehr Kilometer und mehr Höhenmeter! Also fuhr ich in Arabba links in Richtung Falzaregopass weiter. Am Passanfang bog ich jedoch nach Caprile ab. In diesem viel tiefer gelegenen Ort musste bzw. durfte (war ja freiwillig) ich den bereits am 2. Tag beschriebenen Anstieg zum Fedaiapass erklimmen. Die zusätzlichen Kilometer und die 1.000 Höhenmeter des Fedaiapasses machten aus meiner Tour eine realistische Trainingssimulation eines Bergmarathons.

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Furkelpass

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Am Straßenrand 1

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Am Straßenrand 2

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Würzjoch - das rosarote Schild deutet auf die Giro-Ankunft 2006 hin



Tag 06: Mittwoch, 02.05.2007
Seiser-Alm

Tour: Canazei - Sellajoch - Wolkenstein - St. Ulrich - Waidbruck - Kastelruth - Seiser-Alm - Saltner - Seiser-Alm - Kastelruth - St. Michael - Panidersattel - St. Ulrich - Wolkenstein - Grödner Joch - Corvara - Campolongopass - Arabba - Pordoijoch - Canazei

Es war von Anfang an sehr kalt und regnerisch, ich konnte jedoch noch trocken in Richtung Sellajoch aufbrechen. Ab der Passhöhe stand nicht nur die längste Abfahrt des Trainingslagers an, sondern meine längste Abfahrt überhaupt. Das Sellajoch befindet sich auf einer Höhe von ca. 2.250 Metern und die Ortschaft Waidbruck liegt direkt an der Brennerautobahn auf ca. 450 Höhenmetern. Normalerweise macht eine so lange Alpenabfahrt riesigen Spaß, aber bei den Temperaturen fahr ich lieber den Berg hoch als runter :-(

Von Waidbruck aus stand dann wiederum der längste Anstieg des Trainingslagers an. Mit einer Höhendifferenz von ungefähr 1.450 Metern ging es über den bekannten Ort Kastelruth auf die ebenfalls sehr bekannte Seiser-Alm. Hier oben erwartet einen die größte Hochweide Südtirols. Leider war der Anblick bei Nebel nicht sonderlich beeindruckend, aber wenigstens war es größtenteils trocken. Auf der Seiser-Alm konnte man noch mehrere Kilometer auf flachem Terrain weiterfahren, bevor es sogar nochmals 150 Höhenmeter runter ging. Hier endete jedoch die Teerstraße und es gab lediglich noch ein paar Hotels und Wanderwege. Also kehrte ich wieder um und fuhr nach Kastelruth zurück. Von hier aus bog ich in Richtung Grödner Tal ab. Was ich zu diesem Zeitpunkt noch nicht wusste, dieser Weg sollte mich noch über einen zusätzlichen Pass führen, den Panidersattel. Die anschließende Abfahrt führte mich wieder nach St. Ulrich. Nun galt es über die Ortschaften St. Christina und Wolkenstein das Grödner Joch zu erreichen. Nach der Abfahrt fuhr ich von Corvara aus über den Campolongopass nach Arabba. Mit dem letzten Aufstieg zum Pordoijoch waren die Schwierigkeiten dieser Tour auch schon fast bewältigt. Fast - die letzte Schwierigkeit bestand darin, die Pordoiabfahrt zu überstehen, ohne auf dem Fahrrad fest zu gefrieren. Auf der Passhöhe hatte es nämlich nur noch 2 Grad ;-)

Am Abend gab es in der Pizzeria noch ein besonderes Highlight. Auf einer Großbildleinwand wurde das Championsleague-Halbfinalspiel zwischen AC Mailand und Manchester United übertragen. Natürlich ist das ein besonderes Erlebnis, mit so vielen begeisterten Tifosi ein Spiel mit italienischer Beteiligung anzuschauen.

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Weinberge entlang der Brennerautobahn

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Über Kastelruth ging es weiter…

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…auf die Hochweide Seiser-Alm

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Kapelle am Straßenrand

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Wolkenstein: Werbung für den Ski World Cup


Tag 07: Donnerstag, 03.05.2007
Sella-Ronda, Abreise

Tour: Canazei - Sellajoch - Grödner Joch - Campolongopass - Pordoijoch - Canazei

Wenn man jeden Tag von morgens bis abends trainiert, vergeht die Zeit wie im Flug. Leider war nun bereits mein letzter Tag in Canazei angebrochen. Zuerst genoss ich zum letzten mal ein reichhaltiges Frühstück, bevor ich dann die Hotelrechnung beglich. Da noch zwischen 4 und 5 Stunden Autofahrt vor mir lagen, wollte ich nur noch eine kurze Radtour unternehmen.

Da bot sich nochmals die Tour vom Anreisetag an, die Sella-Ronda. Nur diesmal wollte ich sie in umgekehrter Reihenfolge fahren, also zuerst über das Sellajoch. Das Wetter war wiederum sehr wechselhaft, aber zu Beginn der Tour noch trocken. Im Gegensatz zu meiner ersten Sella-Ronda, wollte ich diesmal etwas zügiger und ohne Fotopausen durchfahren. Natürlich waren am 6. Trainingstag meine Beine auch nicht mehr die frischesten, aber was noch an Kraft und Energie drinnen steckte, wollte ich in dieser Tour verheizen.

Erwähnenswert: Bei meiner aller letzten Passabfahrt vom Pordoijoch, hat es sogar noch geschneit. Aber zu diesem Zeitpunkt konnte mich nichts mehr schockieren. In Alba di Canazei angekommen, zog ich mich noch schnell um, zerlegte mein Fahrrad und verlud es völlig verschmutzt in mein Auto. Nach einer kurzen Verabschiedung von meiner führsorglichen Hotelwirtin machte ich mich an die Heimfahrt. Bis auf eine falsche Autobahnausfahrt in Innsbruck und einer kleinen Umleitung nach dem Fernpass, lief alles bestens. Um ca. 17:30 Uhr kam ich dann im wunderschönen Seibranz an.

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Das Hotel Fedaia

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Der Frühstücksraum

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Abendessen: Im Bierkeller dieses Hotels wurden die Pizzen verschlungen

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Eingang zur Pizzeria El Binocol


Abschließendes Fazit
Auch dieses Jahr haben mich die Dolomiten wieder in ihren Bann gezogen und so wie es aussieht, werde ich hier nächstes Jahr wieder mein Bergtrainingslager aufschlagen.


Trophäensammlung 2007
17 Pässe bzw. Höhenziele mit insgesamt 34 Auffahrten...
5 x Grödner Joch
5 x Pordoijoch
5 x Sellajoch
4 x Campolongopass
2 x Falzaregopass
2 x Fedaiapass
1 x alle anderen Pässe/Höhenziele